Auf den britischen Inseln werden meist Greyhounds mit Hütehunden gekreuzt. Grund dafür ist auch das Aussehen. Vor allem in den Anfängen, als das Halten von Windhunden dem Adel vorbehalten war und freilaufende Windhunde abgeschossen wurden, sollte der Lurcher nicht auf den ersten Blick als Windhund erkennbar sein. Es gibt jedoch sehr viele unterschiedliche Varianten, wie Greyhound/Gebrauchshund oder auch z.B. Whippet/Gebrauchshund-Hybriden, die deutlich kleiner sind. Je nachdem welche Eigenschaften der Züchter sich vorstellt. Für die Jagd auf Dammwild wird sicher nie ein Whippet-Lurcher zum Einsatz kommen, der körperlich dazu nicht in der Lage ist, eher ein Greyhound-Lurcher. Lurcher werden immer für einen bestimmten Einsatzzweck gezüchtet. Ziel ist es, einen schnellen, eng an den Menschen gebundenen und zuverlässigen Sichtjäger zu erhalten. Erlaubt ist, jede Rasse einzukreuzen, die die gewünschten Eigenschaften verstärkt. Die Züchter sind oft Jäger. In Deutschland ist der Lurcher eher unbekannt. Manchmal wissen nicht einmal die Halter, dass sie einen Lurcher zuhause haben. Anders in GB, Frankreich, Italien und in den USA. Es gibt viele Anekdoten von Lurchern und Ihren Menschen, die die enge Beziehung widerspiegeln, die ein Lurcher, den richtigen Menschen vorausgesetzt, einzugehen vermag. Die Zucht ist kompliziert und auch die Aufzucht ist nicht einfach. Nur wer in der Lage ist, dem Lurcher zu vermitteln, dass er einen Platz in Familie und im Herzen hat, wird einen dieser treuen Begleiter haben. Bei falscher Behandlung im Welpen- und Jugendalter wird sich der Lurcher, wie jeder andere Hetzjäger auch, seine Beschäftigung selbst suchen und ausgiebige Jagdausflüge unternehmen. Um sicherzustellen, dass schon der Welpe richtig auf den Menschen geprägt wird, muss in der frühen Sozialisierungsphase der enge Kontakt zum Menschen aufgebaut werden. Die Welpen werden im Haus bei der Familie gehalten und schlafen meist in den Betten ihrer Menschen. Ein Lurcher, der einmal gelernt hat, eine enge Bindung zu einem Menschen aufzubauen, verliert diese Eigenschaft nie. Er braucht nur viel Liebe und etwas Zeit, sich einem neuen Menschen genauso anzuschliessen. Was braucht ein Lurcher um wirklich glücklich zu sein? Seine Menschen, für die er notfalls durchs Feuer geht, ausreichend Bewegung - vor allem die Möglichkeit Höchstgeschwindigkeiten zu laufen, die gemeinsame Beschäftigung mit seinen Menschen, gesunde Ernährung und nicht zuletzt bevorzugt er es in einem Rudel oder zumindest mit einem Hunde-Partner leben zu dürfen.

 

Die Haltung und Erziehung eines Lurchers
Schon das Wort Erziehung ist falsch gewählt. Ein Lurcher kann nicht erzogen werden. Er kann nur davon überzeugt werden, den selben Wunsch zu haben, wie sein Mensch. Man sollte auch nie höfliche Umgangsformen vergessen. Bitte und danke sind Pflicht. Der Lurcher beobachtet seine Menschen genau, filtert alles gesagte auf ihm bekannte Wörter, deutet jede Bewegung und setzt das um. Wenn man nicht bereit ist dem Lurcher einen Platz im Herzen zu geben, sollte man besser die Finger davon lassen. Beide - Mensch und Hund - würden unglücklich. Es gibt kaum eine Rasse, die sich so auf den Menschen einläßt wie ein Lurcher. Mit der Feinfühligkeit des Windhundes und dem Willen für seinen Menschen zu arbeiten ist er bereit wie kaum ein anderer, sich seinem Menschen vollständig anzuschließen. Aber man muß ihm die Möglichkeit dazu geben und es muß auf Gegenseitigkeit beruhen. Man kann dem Lucher keine Gefühle vorgaukeln, es muß schon echte Liebe sein. Das bedeutet vor allem auch, er darf nicht als Hund in eine Familie einziehen. Er muß von Anfang an Mitglied der Familie sein. Mindestens das Sofa ist ihm zwingend zur Verfügung zu stellen und für die absolute Beziehung natürlich auch ein Platz unter der Bettdecke. Das soll nicht heißen, daß man den Lurcher vermenschlichen soll. Er darf, soll und muß Hund sein, nicht zu einem Sofaschmuck verkommen. Er muß laufen, sich in Dreck wälzen dürfen und alles was sonst zu einem glücklichen Hundeleben gehört.
Der Versuch einen Lurcher zu unterwerfen (kein Hund sollte unterworfen werden) wird eine Beziehung für immer unmöglich machen. Er wird das nicht verzeihen. Dazu sollte man auch wissen, daß nicht alle Hunde die gleiche Sprache sprechen, wie man sich so erzählt. Vielleicht ist der Unterschied nicht so groß wie bei uns Menschen, aber dieselbe Sprache ist es nicht. Z.B. habe ich nie gesehen, daß sich ein Lurcher unterordnet, indem er sich auf den Rücken wirft. Er wird sich immer züngelnd, geduckt unterwürfig seinem Gegner langsam nähern, wie ein Wolf. Insofern versteht er auch nicht, was ein Hund sagen will, der sich wild auf den Rücken wirft. Auch wilde Raufspiele sind ihm sehr unangenehm und für ihn schlecht einschätzbar.

 

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